Zwischen zwei Stühlen

    • Zwischen zwei Stühlen

      Hallo ihr Lieben

      Ich brauche dringend mal eine objektive Meinung eines Unbeteiligten...
      Ich hab nicht wirklich jemanden, mit dem ich darüber reden könnte, zumindest niemand Neutralen - aber mich beschäftigt diese Sache dennoch sehr.

      Ich muss dafür etwas weiter ausholen:

      Es geht um zwei Männer:

      Einer davon ist mein Freund.

      Der andere ist ein eigentlich guter Freund, den ich seit gut zwei Jahren kenne. Unser Kontakt hat sich aber immer auf Schreiben reduziert, wir haben uns nie getroffen, nicht mal telefoniert. Er hatte mal irgendwelche Gefühle für mich, die Fronten habe ich daraufhin gleich geklärt. (Das war, bevor ich mit meinem Freund zusammen kam) Er war für mich immer nur ein Freund - im Grunde eher nur ein Bekannter.
      Ich war ihm immer wichtiger, als er mir.
      Ich war für ihn, diejenige, die seine verstorbene beste Freundin ersetzen konnte, der er alles anvertraut hat (wirklich viele, teilweise schlimme Sachen), die ihm Rat gegeben hat und die einfach immer ein offenes Ohr hatte.
      Er hatte hingegen an meinem Leben kaum Anteil, da ich ihn nie wirklich in diesem eingebunden habe.

      Meinem Freund habe ich direkt erzählt, dass er mal Gefühle für mich hatte, habe ihm gleich die Karten auf den Tisch gelegt - er wusste, dass ich mit ihm schrieb, dass ich mich aber nicht mit ihm traf oder so. Ich hatte anfangs auch das Gefühl, dass das okay war. Er hat mir dann zu verstehen gegeben, dass er das nicht so toll fand und ihn das stört, dass er eben mal Gefühle für mich hatte. Ich habe daraufhin den Kontakt sehr eingeschränkt, habe ihn nie selbst angeschrieben und nur, wenn der Schuh wirklich drückte und ich die Zeit hatte, geantwortet.
      Ich habe im Grunde diesen Kontakt nicht ganz abgebrochen, weil ich das mit meinem Gewissen nicht vereinbaren konnte. Er hat mir alles anvertraut, er hat oft von Suizid gesprochen und dass ich seine Bezugsperson sei und er nur wegen mir weiter machen würde. Auch von dritten wurde ich schon gebeten, mit ihm zu reden, da er nur von und mit mir reden würde, er ein Wrack sei und sowas. Ich weiß nicht, warum ich ihm so unglaublich wichtig war. Weil wir eben sonst immer so wenig miteinander zu tun hatten... Wir hatten viele, gute, tiefgründige Gespräche. Ich hab ihn als Mensch sehr geschätzt.
      Die Wahrheit ist: Ich hatte vermutlich einfach immer Angst, dass er sich etwas antun würde. Mir wurde Verantwortung aufgelastet, die eigentlich nicht meine war. Ich konnte mich immer gut abgrenzen, hab die Dinge nicht zu sehr an mich heran gelassen, aber natürlich war es mir auch nicht egal. Ganz im Gegenteil. Ich weiß, wie es ist, wenn es einem richtig schlecht geht und dann von Menschen nur Ablehnung zu erfahren, einen Schlag ins Gesicht nach dem nächsten... ich wollte ihm das nie antun.

      Ich habe dieses Thema meinem Freund gegenüber immer gemieden. Und diesen Schuh ziehe ich mir zu 100% an. Ich hätte es thematisieren müssen, einfach mal darüber reden sollen. Dann wäre es im Nachhinein vielleicht alles anders gelaufen.
      Jedenfalls, hat mein Freund mich irgendwann darauf angesprochen. Er hat einmal gesehen, dass ich auf eine Nachricht geantwortet habe, davor hat er immer gesehen, dass mir wohl geschrieben wurde, ich aber nur kurz darauf geschaut und dann das ignoriert habe, während ich mit meinem Freund zusammen war.
      Er hat mir deutlich zu verstehen gemacht, dass er das so nicht mehr will und ihn das verletzen würde.
      Seine Worte waren: "Wenn du meinst, hab weiter Kontakt zu ihm. Aber ich werde dann meine Schlüsse daraus ziehen."

      Mir war klar, dass ich eine Entscheidung treffen musste. Prioriäten zu setzen fiel mir absolut nicht schwer. Mein Freund wollte, dass ich den Kontakt abbrach und das habe getan. Auf keine schöne Weise.
      Ich hab ihm geschrieben, ihm das so erklärt, wie es war. Und ich hab mich tierisch gehasst in dem Moment. Ich hab furchtbar geweint. Mein Freund hat das im ersten Moment falsch aufgefasst. Wir haben da lange und viel drüber geredet und ich habe ihm versucht, klarzumachen, warum ich den Kontakt zu ihm so aufrecht erhalten hatte. Er hat das dann auch verstanden, glaube ich. Aber dennoch musste ich den Kontakt abbrechen. Ich verstehe das auf der einen Seite, wirklich. Auf der anderen Seite aber auch nicht.
      Mein Freund hat so viele weibliche Freundinnen mit denen er schriebt oder sich auch mit diesen trifft. Ich weiß, dass das eben wirklich nur Freundinnen sind, die er schon ewig kennt - ich würde nie auf den Gedanken kommen, ihm das zu verbieten und es stört mich auch nicht. Und ich verstehe, dass das hier vielleicht etwas anderes ist, da hier ja irgendwann (auch wenn es schon lange her ist) mal Gefühle im Spiel waren - wenn auch nicht von meiner Seite aus. Aber dennoch habe ich hiermit ja auch einen Freund verloren gewissermaßen...
      Ich finde es so unfair, so falsch... ich hab diesen Menschen damit so verletzt.
      Er wollte das auch erst nicht akzeptieren, hat gefleht, hat gesagt, er hätte nun keinen Grund mehr, weiterzumachen, hat mich gefragt, ob mir das alles denn so wenig wert gewesen wäre. Er hat selbst mit meinem Freund Kontakt aufgenommen, hat ihn angefleht. Hat irgendwann aufgegeben und mich nur ein persönliches Abschiedsgespräch gebeten. Was ich auch ablehnen musste. Ich glaube, ihr könnt euch nicht vorstellen, wie elend ich mich in diesem Moment gefühlt habe und wie sehr ich mich gehasst habe. Ich kann nicht in Worte fassen, wie unglaublich Leid mit all das tut. Ich fühle mich als sehr schlechter Mensch. Ich glaube nicht, dass ich mir das jemals verzeihen kann...

      Ich stand zwischen zwei Stühlen, Druck von beiden Seiten. Ich weiß bis jetzt noch nicht, was richtig oder falsch gewesen wäre. Ich weiß aber, so wie es gelaufen ist, hätte es niemals laufen dürfen. Und auch, dass ich nicht unschuldig bin. Aber habe ich denn nur Schuld?

      Ich würde mich über andere Meinungen wirklich freuen... und seid bitte ehrlich! Ich weiß, dass ich Scheiße gebaut habe und ich es vermutlich verdient habe, da jetzt drunter leiden zu müssen.
      Ich versuche, diese Situation objektiv zu bewerten, aber ich schaffe es nicht...