Vertraut ihr eurem Hausarzt?

    Es gibt 3 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Lunatic.

    • vertrauen? Nö. Ich geh da hin wenn ich ein Rezept will und das wars. Ich bin da zufrieden, weil ich meistens alles ohne großartiges Gefrage krieg, aber mit Vertrauen hat das ja nix zu tun...
      Vor 7 Jahren war ich bei nem anderen Hausarzt und musste damals auch ständig hin wegen der ES und Kontrolle und blabla. Den fand ich ganz furchtbar. Viel zu jung und überfordert mit mir. Wollte wohl das Essgestörten-Standardprogramm abspielen das man in der Ausbildung so lernt mit wöchentlichem Wiegen und ähnlichen Scherzen. Der ist bei und mit mir glaube ich ziemlich an die Grenzen gekommen, weil ich so gänzlich unkooperativ und manipulativ war. Ich glaub der war froh als ich weggezogen bin *gg*
    • hierzu nen Ausschnitt aus Psychs und meinem Buch:

      Freiwillig wäre Lunatic niemals zu einem Arzt gegangen, wozu auch, sie war doch kerngesund und hätte sich und anderen sonst ja eingestanden, das zu sein, was alle behaupteten: Essgestört. Auch wenn Psych und andere Forenmitglieder immer wieder dezent darauf hingewiesen hatten, dass sie sich doch mal untersuchen lassen sollte, Lunatic war stur. Zumindest bis zu dem Zeitpunkt, als sie derartige Kreislaufprobleme bekam (das Herz-Kreislauf-System reagiert ziemlich schnell auf fehlende Nahrungszufuhr) und die rezeptfreien Mittelchen aus der Apotheke nicht mehr ausreichend Wirkung zeigten. Als Psych ihr dann von Kreislauftropfen erzählte, die toll wirken würden, aber leider rezeptpflichtig wären, konnte sie Lunatic endlich davon überzeugen dass ein Arzttermin nicht der Untergang der gesamten Welt bedeuten würde. Zu dem Arzt in ihrem Wohnort, zu dem auch ihre Eltern gingen, wollte Lunatic aber nicht gehen - sie befürchtete schlichtweg dass dieser straight zu ihren Eltern marschieren und denen irgendetwas erzählen würde. Schweigepflicht hin oder her, wer garantierte ihr dass sie wirklich Vertrauen haben konnte!? So suchte sich Lunatic im Telefonbuch einen Allgemeinmediziner in der Stadt, in der sie auch zur Schule ging. Ihr Kriterium: der Vorname! Er sollte nach "jungem Arzt" klingen und Bingo! Lunatic hatte ab sofort einen noch recht jungen und damit wenig erfahrenen Mediziner, der sichtlich überfordert damit war, dass Lunatic ihm knallhart auf den Tisch packte, dass sie regelmäßig hungerte, kaum schlief und sich regelmäßig die Arme aufschnitt. Noch bevor er irgendetwas erwidern konnte sagte sie geradeheraus dass sie sich über die körperlichen Folgen vollkommen im Klaren war, keine Therapie wollte und brauchte und eigentlich nur hier war um die Tropfen XY verschrieben zu bekommen. Wham, das saß! Der Arzt stellte ihr ein Rezept aus und wollte sie in einer Woche nochmals sehen (vermutlich um sich zu überlegen, wie er mit so einer Patientin am Besten umgehen sollte). Im Grunde genommen war Lunatic sogar froh über diese "Aufmerksamkeit", auch wenn sie dies nie zugegeben hätte. So ging sie brav zum nächsten Termin, in der ihr eröffnet wurde (hatte wohl in seinem Lehrbuch nachgelesen, wie man mit Anorexiepatientinnen umgeht) dass sie nun regelmäßig zur "Gewichtskontrolle" und Blutabnahme kommen müsste. Das Wiegen machte Lunatic nur wenige Male mit, erklärte dann, dass das "sowieso nix bringen würde" und verweigerte diese Maßnahme ab sofort. Die Blutabnahmen duldete sie zunächst, weil sie es durchaus interessant fand, was da so mit ihrem Körper passierte. Da diese Untersuchung allerdings morgens stattfand, und Lunatic ohnehin Kreislaufprobleme hatte, dauerte es nicht lange bis zum ersten Zwischenfall. Die ersten Male konnte sie sich soweit zusammenreißen, dass sie es bis vor die Praxis "schaffte" und sich dort hinsetzen konnte, um dort versteckt zu warten bis sich ihr Kreislauf wieder normalisiert hatte. Einmal jedoch, sie stand an der Rezeption und wartete auf irgendein Rezept, knickten ihr ohne Vorwarnung die Beine ein und alles wurde Schwarz. Als sie wieder zu sich kam, wollte sie sofort aufspringen und hätte vermutlich "alles gut, bin nur gestolpert" geträllert, wenn die Arzthelferin sie nicht angeraunzt hätte, dass sie jetzt liegen bleiben sollte bis der Arzt hier wäre und ihren Blutdruck messen würde. Nie, um kein Geld der Welt, hätte sie es über sich gebracht der Arzthelferin zu sagen dass ihr von dem schnellen Aufstehen nach der Blutentnahme tatsächlich schwummrig wurde und sie vielleicht tatsächlich besser noch einen Moment hätte liegen bleiben sollen. Schwäche eingestehen, indirekt Hilfe verlangen, das gehörte zu den Dingen die Lunatic mit aller Kraft vermieden hatte und auch heute noch tut.

      Mit der Zeit erzählte sie diesem Arzt immer mehr, ließ ihn aber wahrscheinlich regelmäßig mit einem schrecklichen Gefühl der Hilflosigkeit zurück. Einerseits berichtete sie bereitwillig von dem was sie tat und dachte, gutgemeinte Ratschläge und Hilfe, die ihr angeboten wurde, ließ sie jedoch nicht einmal ansatzweise an sich heran. Braucht sie nicht, will sie nicht, würde sowieso nix bringen. Sie wusste auch ganz genau wie weit sie gehen konnte. Sie kannte die Richtlinien, wann sich ein Arzt dazu verpflichtet sehen muss einen Patienten bei Suizidverdacht einzuweisen und wann nicht. Wurde sie gefragt, erzählte sie bis zu diesem Punkt und nicht weiter. Auch hier war ein so junger Arzt für sie viel zu leicht zu durchschauen. Er handelte wie im Lehrbuch, sie musste nur nachlesen was ein Arzt wann machen soll und handelte dementsprechend. Das hat sie ihm manchmal auch knallhart vor Augen geführt ("Ja, ich hab Suizidgedanken. Naja, ich weiß schon wo und wann, aber wenn ich Ihnen das jetzt sage dann müssten Sie das weitergeben. So blöd bin ich nicht, dass ich dazu jetzt was sage. Na und, wenn sie das jetzt weitergeben, was würde das bringen? Dann kommt halt die Polizei und ich sag denen dass da nix ist, keine Suizidgedanken und keine Pläne, dass sie das falsch verstanden haben. Da können die nix machen!"). Im Nachhinein: armer Arzt! Er wollte ja wirklich nur das Beste und hat sich bemüht alles richtig machen. Lunatic jedoch hat seine Unerfahrenheit schamlos ausgenutzt und ihn so manipuliert, dass sie bekommen hat, was sie wollte.