Ich hab solche Angst vor den Antidepressiva

    Es gibt 5 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von CryOfWrath.

    • Ich hab solche Angst vor den Antidepressiva

      Hallo zusammen,

      da ich überhaupt nicht mehr klarkomme mit meinen Symptomen und meine Hausärztin zusätzlich zu meinen Standard-Diagnosen (Borderline, PTBS, Ängste, Essstörung) eine schwere Depression vermutet, die die Essstörung so verschlimmert hat, dass ich in den letzten zwei Jahren 50 kg zugenommen habe, ohne dass irgendwelche Gegenmaßnahmen greifen würden ... sitze ich nach einem Besuch bei einer Psychiaterin jetzt hier, sollte mein erstes Antidepressivum in der Apotheke abholen und einnehmen.

      Ich wurde schon aus mehreren Richtungen überzeugt, dass Antidepressiva sinnvoll sind für mich. Mein Gewicht ist mittlerweile mehr als gesundheitsschädlich, ich kriege es aber nicht runter, halte eine Ernährungsumstellung keine zwei Tage durch und fresse unkontrolliert; ich bin total antriebslos und schaffe einfach keine Veränderung ...
      Also ja, ich weiß, dass ich Hilfe brauche und dass das meine vielleicht nicht letzte, aber auf jeden Fall beste Chance ist.

      Aber ich hab solche ANGST!
      Ich will nicht, dass sich meine Persönlichkeit so sehr verändert, dass ich mich nicht mehr erkenne,
      ich habe Panik, dass ich dutzende Nebenwirkungen abbekomme,
      ich habe vor allem Angst, dass mein Magen hohl dreht,
      ich will auch irgendwie nicht das aufgeben, was mir in meiner ersten Therapie 2008 mitgeteilt wurde: Es ist wichtig, dass du es ohne Medikamente schaffst, weil die keine Lösung sind.

      Ich weiß, warum ich es versuchen will: Ich will mitbekommen, wie mein Patenkind (3) in die Schule kommt, aufwächst, heiratet, Kinder kriegt, ich will noch viele, viele Jahre mit meinem Mann leben, ich will mein Gewicht reduzieren und irgendwie gegen diese Esssucht ankommen, um auch wieder mehr Lebensfreude zu haben.
      Aber ich habe solche Angst.

      Gestern hab ich immerhin das Rezept in der Apotheke abgegeben, aber ich kann da jetzt nicht hin und die Medis abholen, weil sie dann da sind.. ich bin völlig blockiert. Ich hab solche ANGST.
      Und das allein schon davor, dass die Medis kommen. Was soll denn erst werden, wenn's ums Nehmen geht?!

      Bitte helft mir.

      Achja: Mir wurde Fluoxetin aufgeschrieben.
    • Hey,

      Dass du erkennst, dass du Hilfe brauchst ist schonmal ein großer Schritt.
      Fluoxetin ist ein Antidepressivum der Klasse SSRI (Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer). Diese Art von Medikamenten bewirken, dass der Serotoninspiegel in der Gewebeflüssigkeit des Gehirns erhöht wird. Sie wirken an Seretonin-Transportern, während sie andere Monoamin-Transporten in Ruhe lassen (deshalb selektiv). Dass sich dadurch deine Persönlichkeit ändert, brauchst du nicht zu befürchten.

      Ich habe als allererstes Antidepressivum Citalopram verschrieben bekommen, das ebenfalls zu der Klasse der SSRI gehört. Zu Beginn war ich einfach nur hundemüde und absolut ausgelaugt und noch antriebsloser als sonst, bis sich mein Körper daran gewöhnt hatte. Eine gewisse Eingewöhnungszeit ist eben notwendig. Zu den anderen Nebenwirkungen: Kann passieren oder auch nicht. Wenn sie dir zu schlimm werden, kannst du jederzeit mit deinem Psychiater sprechen, dass er dir was anderes verschreibt... das sollte kein Thema sein.

      Es ist wichtig, dass du es ohne Medikamente schaffst, weil die keine Lösung sind.

      Äh... was? Bei diese Aussage sträuben sich meine Nackenhaare xD
      Es stimmt zwar, dass reine Medikamenteneinnahme nicht sinnvoll ist, aber als Unterstützung zur laufenden Therapie durchaus hilfreich und in manchen Fällen auch notwendig sein kann.
      Ich bin auch kein großer Fan von Medikamenten... manchmal helfen sir, manchmal nicht. Manchmal bekommt man keine Nebenwirkungen zu spüren, manchmal schon. Da muss dein Arzt wissen, was wohl am Besten anschlagen könnte. Und wie gesagt: wenn es nix ist, zum Arzt und ihm das sagen, aber auch bedenken, dass es schonmal 1-2 Wochen dauern kann bis der Körper sich daran gewöhnt hat.

      Edit: Oh noch was... SSRIs sind im Vergleich zu anderen relativ nebenwirkungsarm und die häufigsten Nebenwirkungen können in den ersten Tagen verstärkt auftreten. Das lässt aber schnell nach! Also nur Mut :)
      "Was hast du denn für ein Problem??"
      -
      "Muss ich mich sofort entscheiden?"

      *Koffeinmangel kann zu Fehlfunktionen führen. Achten Sie deshalb bitte auf den minimalen Füllstand. Konsultieren Sie bei weiteren Fragen einen Kaffeeautomaten.
    • Hi

      Cry hat ja das meiste schon gesagt und dem schließe ich mich auch so an.

      Ich nehme Citalopram und habe mit Nebenwirkungen absolut keine Probleme. Hatte ich auch am Anfang gar nicht.
      Es ist nicht gesagt, dass du Nebenwirkungen zu spüren bekommst. Es klingt immer so abschreckend, was auf den Packungsbeilagen steht, aber davon darf man sich nicht einschüchtern lassen. Der Körper muss sich darauf einstellen und das wird sicher ein paar Tage dauern, aber das heißt nicht, dass du automatisch Nebenwirkungen bekommst.
      Du musst auch absolut keine Angst haben, dass sich deine Persönlichkeit verändert.

      Die Aussage, dass es ja so wichtig sei, das ohne Medikamente zu schaffen, kann ich auch gar nicht nachvollziehen.
      Eine ausschließlich medikamentöse Behandlung ist sicher nicht sinnvoll, aber unterstützend zur Therapie sind Medikamente durchaus sinnvoll.
      Klar ist es immer schöner, wenn es ohne geht. Aber wenn das nun mal nicht geht, sollte man auch keine Scheu haben, Medikamente auszuprobieren.
      Es heißt ja auch nicht, dass du die Medikamente dein restliches Leben nehmen musst.

      Ich wünsche dir, dass du den Mut findest, es auszuprobieren. :)
    • Danke!

      Ich hab mich entschieden, das jetzt anzugehen wie mit einer Spinnenhobie:
      1. Schritt: Das Zeug aus der Apotheke holen
      2. Schritt: Im Bad verstauen
      3. - 9. Schritt: Jeden Tag etwas sichtbarer hinlegen
      10. Schritt: Aufmachen
      11. Schritt: Eine Tablette ansehen und in die Hand nehmen
      12. Schritt: Zum Mund führen und idealerweise gleich schlucken

      Ich hab mit der Psychiaterin ausgemacht, dass ich die Tabletten erst ab 8. Juli nehme (ich hab am 6. Geburtstag und da brauche ich mögliche Nebenwirkungen nicht...), bis dahin kann ich mich ja drauf vorbereiten langsam. Spätestens am 12. Juli muss ich die erste genommen haben, das hab ich jetzt mit mir vereinbart.

      Aber davon geht die Panik nicht weg :00008517_1:
    • ich hatte auch mal Citalopram in einer instabilen Phase.
      Es hat sehr geholfen und es verändert ja auch nicht Deine Persönlichkeit.
      Es bringt halt Ruhe rein und mindert die Ängste,so war es bei mir wenigstens.
      Und: Du musst es ja nicht für immer nehmen,ich selbst hab es inzwischen wieder abgesetzt,würde es aber immer wieder nehmen,wenn ich merken sollte,dass ich wieder sehr instabil werde.
      Und wenn Du es tatsächlich nicht verträgst,zwingt Dich ja keiner es weiter zu nehmen.Einen Versuch ist es allemal wert.
      Nur Mut,bin sicher,es wird Dir was bringen!